FDP Stadtverband Bad Kreuznach

Personalie

Geplanter Rückzug als Stadtverbandsvorsitzender im Frühjahr 2019 anvisiert – Liberale drängt es in alle Ortsbeiräte
Bad Kreuznach. 13,5 Prozent der Stimmen, fünf Sitze im Stadtrat und plötzlich in Regierungsverantwortung – geht es nach dem Bad Kreuznacher FDP-Chef Jürgen Eitel, läuft es in der nächsten Kommunalwahl, die am 26. Mai 2019 für neue Machtverhältnisse in den Gremien von Stadt und Kreis sorgen könnte, ähnlich wie im Frühjahr 2009. Damals stellte man mit fünf Köpfen die drittstärkste Fraktion im Rat und bildete die zunächst erfolgreiche Jamaika-Koalition mit, die wenig später an einem unappetitlichen Geschachere um den Beigeordnetenposten zerbrach.Einst am Ruder, bleibt den Liberalen aktuell nur die Statistenrolle. Seit dem Weggang von Birgit Ensminger-Busse, die den eigentlich in den Rat gewählten Walter Görtz ersetzte, fristet Jürgen Eitel ein Dasein als Einzelkämpfer ohne Fraktionsrechte. Eine einzige gelbe Stimme – faktisch bedeutungslos im 44-köpfigen Stadtrat. Dieser Umstand steht im krassen Gegensatz zum Selbstverständnis der Liberalen, die sich seit einigen Monaten äußerst umtriebig präsentieren. Ein potenzielles Neubaugebiet für den Stadtteil Planig, ebenso ein zusätzlicher Bahnhaltepunkt dort, die Aufwertung des Ellerbachs oder zukünftige Nutzungsmöglichkeiten des Bad Münsterer Kurensembles – die Bad Kreuznacher FDP ist motiviert, hat eine breite Agenda und geht guter Dinge in die Phase der Listenaufstellung für die Kommunalwahl im nächsten Jahr. Die Marschroute ist klar. „Mein Ziel sind mindestens vier Sitze im Stadtrat“, postuliert Jürgen Eitel im Gespräch mit dem Oeffentlichen Anzeiger. Das wäre ein Ergebnis zwischen 9 und 10 Prozent. Die Katerstimmung nach dem niederschmetternden Blamage-Ergebnis aus dem Jahr 2015, als man mit 4,5 Prozent und zwei mageren Sitzen im Stadtrat auch an der Nahe dem Bundestrend folgte, ist passé. „Seit dem verbesserten Ergebnis der Landtagswahl 2016 geht es aufwärts“, findet Eitel. Zahlreiche Neueintritte bestätigten diesen Eindruck. Mit einem frischen Team will man wieder mehr Betrieb im Stadtrat machen. Ebenso drängt es die Liberalen in die Ortsbeiräte der Stadtteile – eine Ebene, in der man zurzeit gar nicht vertreten ist, mal abgesehen von einem Sitzchen im einfusionierten Ortsbeirat von Bad Münster am Stein-Ebernburg. „Da müssen wir rein, denn da werden viele Themen vorbereitend besprochen“, so Eitels Sichtweise. Auch für seine eigene Zukunft hat Jürgen Eitel, 77 Jahre alt, gebürtiger Karlsruher, in Winzenheim lebend, ehemaliger Spitzenmanager der Michelin-Reifenwerke und heute Unternehmensberater, fixe Pläne: Er kandidiert nochmal für den Stadtrat, will nach der Wahl aber seinen Posten als Stadtverbandsvorsitzender, den er seit zwölf Jahren bekleidet, aufgeben. „Es müssen Jüngere ran, es gibt einige Interessierte, wir haben sehr fähige Leute in unseren Reihen“, stellt Eitel klar. Gemeint sind damit aufstrebende „Nachwuchs“-Liberale wie Oliver John, Emanuel Letz oder auch Jens Wichmann, die zum Teil schon in Ausschüssen sitzen. Eitel ist der Meinung: „Es wird Zeit für Jüngere.“ Auch wenn mögliche Koalitionen noch Lichtjahre entfernt sind, sagt Eitel grundsätzlich: „Bei der SPD habe ich einfach ein besseres Gefühl. In der CDU wird zu viel gestritten, sie ist derzeit gespalten.“ Dass in der neuen Legislaturperiode aber die FDP mit einem einzigen Partner regieren könnte, das hält er fast für unmöglich – „Das wird alles sehr schwierig, dem Rat drohen zersplitterte Verhältnisse.“ Thematisch will man die Axt weiter an die großen Bäume legen. Die Verkehrssituation treibt Eitel um. Die Stadtspitze habe das Thema schlichtweg unterschätzt. Die Ost-West-Trasse müsse dringend kommen – das forderten die Liberalen schon lange. Er zweifelt aber an, dass die Planungen nun konsequent betrieben werden. „Ob es die SPD damit ernst meint, weiß ich nicht.“ Eitel wünscht sich da Ernsthaftigkeit. Als weniger ernsthaft tut er den Vorschlag der SPD-Fraktion, 18 neue Stellen im Amt für Recht und Ordnung zu schaffen, ab: „SPD-Fraktionschef Henschel soll den Antrag zurückziehen. Da ist man über das Ziel hinaus geschossen.“